Fußball Regionalliga: ... Überlänge raubt Punkte

Nachspielzeit abgelaufen, da machte der Fußballgott Feierabend!

Regionalliga Nordost: VfB Germania Halberstadt – FC Rot-Weiß Erfurt  1:1  (1:0)

(von Bernd Waldow)

Ein großartiges Spiel hätte ein anderes Bukett verdient, so aber machte das Wort „Betrug“ nach Abpfiff im Friedensstadion die Runde. Der Unmut der Halberstädter Anhänger dabei durchaus verständlich, denn die von Schiedsrichter Michael Näther angezeigten 3 Minuten Nachspielzeit waren längst abgelaufen, als Erfurt den Gastgebern noch zwei der drei Punkte vom Teller kippte. Nach exakt elektronisch gestoppten 48 Minuten und 47 Sekunden der zweiten Halbzeit (die zum Schutz des Schiedsrichters nicht auf der Anzeigetafel im Stadion sichtbar sind) traf Ben-Luca Moritz zum 1:1-Endstand. Weshalb der Schiedsrichter nicht nach drei Minuten Zugabe – wie zuvor von ihm selbst angezeigt – abgepfiffen hat, bleibt sein Geheimnis. Eine Spielunterbrechung oder –verzögerung gab es in den drei offiziellen Nachspielminuten nicht. Durchaus verständlich, aber auch etwas frech, dass in manchen „offiziellen“ Berichten der Treffer sogar auf 90+2 oder 90+3 herunter-korrigiert wurde...

Größter Respekt gilt dafür Manuel Rost, der im Trainergespräch auf der PK schon wieder sehr aufgeräumt analysierte und professionell seine Emotionen hinten anstellte.

Um nicht  missverstanden zu werden, es geht überhaupt nicht darum, ob RWE hier den einen Punkt redlich verdient hat, das ganz sicher, aber ein Fußballspiel wird nun mal nicht durch Punktrichter bewertet, sondern durch Tore entschieden. Machst du keins, gibt es keinen Sieg, so einfach ist das.

Der VfB Germania hat dieses Spiel von Beginn an mit größter Leidenschaft geführt und ohne Angst vor dem turmhohen und ambitionierten Kontrahenten agiert. Frühe Ausbeute waren einige Ecken, während RWE in der ersten Viertelstunde nur einmal durch einen Fernschuss auffällig wurde. Schnörkellos arbeitete sich der Gastgeber ein ums andere Mal nach vorn, Ole Hoch trieb die Kugel voran, war selbst zentral 20 Meter vor dem Tor schon in guter Position, hatte aber das Auge für den einlaufenden Justin Eilers und spielte passgenau noch ab. In dieser 17. Minute zeigte Eilers, dass er eben doch noch das Stürmer-Gen in sich trägt und schob das Spielgerät entschlossen an Torwart Franco Flückiger vorbei zum 1:0 in die Maschen. Durchaus verdient, diese Führung für den VfB Germania. Zwischen der dreißigsten und vierzigsten Minute setzte sich der Gast immer mal wieder im Sechzehner der Halberstädter fest, ausgelöst meist durch Ecken, die die Platzherren teilweise nur mit Mühe und vollem Einsatz geklärt bekamen. Insbesondere Til Linus Schwarz lieferte sich ein Privat-Duell mit Lukas Cichos, der aber in drei, vier Situationen der souveräne Sieger blieb.

So brachte der VfB Germania die kostbare Führung in die Pause.

Nach dem Wechsel weiter temporeiche und gut klassige Fußballkost von beiden Seiten. André Startsev (51.) zunächst mit einem Abschluss, den Cichos sicher pariert, dann die großartige Möglichkeit für die Halberstädter, auf 2:0 zu stellen: Wieder Ole Hoch mit einem klasse Zuspiel in den Lauf von Stefan Korsch (56.), der alleine auf Flückiger zusteuert, dann aber die Kugel zwar über den Keeper, aber auch über das Gehäue hebt – Chance vertan...

Weitere fünf Zeigerumdrehungen später auf der anderen Seite Kay Seidemann, tanzt die halbe Abwehr der Hiesigen aus, scheitert aber an Cichos, der mit einer fantastischen Fußabwehr glänzt. Es waren die Minuten von Seidemann, der kurz zuvor aus guter Position über den Kasten schießt und Augenblicke später mit einem Schuss aufs kurze Eck nur das Aluminium trifft...

Mit Mann und Maus verteidigen die Halberstädter den kostbaren Vorsprung aufopferungsvoll, schlagen auch nicht nur die Bälle hinten raus, sondern suchen immer wieder spielerische Lösungen zur eigenen Befreiung und Spieleröffnung – sehr stark!

Irwin Pfeiffer (73./ gehalten) und Paul Grzega (81./ knapp über den Kasten) haben noch nennenswerte Abschlüsse, auch in der 84. Minute zeigt sich der Gastgeber offensiv, doch das Duo Korsch/Pfeiffer bleibt in der Box an vier Erfurtern hängen. Dazwischen nur ein Kopfball des eingewechselten Robbie Felßberg, der das Tor deutlich verfehlt.

Die offizielle Spielzeit plus drei Minuten Nachspielzeit halten sich die Halberstädter schadlos, doch die Erfurter bleiben dran und bekommen alle Zeit, die sie brauchen...

 

Ein sehr starker Auftritt der Halberstädter in einem tollen Fußballspiel unter bester Kulisse (913 Zuschauer), aus dem der VfB Germania „viel mehr Positives, als Negatives mitnimmt“ (O-Ton Manuel Rost). Der Trend passt, die Belohnung blieb dem VfB Germania verwehrt!