VfB Germania Halberstadt

16. Mai 2010

HFC gewinnt chaotisches Finale glücklich mit 2:3!

Nach einem begeisternden Fight hat unsere Oberliga-Mannschaft das Endspiel um den FSA-Pokal gegen den klassenhöheren Halleschen FC leider mit 2:3 verloren. Im Spielort Sangerhausen ging Halle mit 0:2 in Führung (Neubert, Kanitz), ehe Mutschler (Foto) und Eggert noch ausgleichen konnten, jedoch traf Lindenhahn in der letzten Spielminute zum Siegtreffer. Begleitet wurde das Finale von chaotischen Rahmenbedingungen, Landesverband und Gastgeber waren mit der Organisation einer solchen Partie schlichtweg überfordert.

Das Objekt der Begierde!

Das Objekt der Begierde!

Am Sonntag, den 16. Mai 2010 war es nun soweit, erstmals stand unsere erste Männermannschaft in einem Landespokal-Finale - Halberstädter Fußball-Geschichte sollte geschrieben werden, wenngleich wir gegen den Regionalligisten Hallescher FC » als krasser Außenseiter antraten. Als Spielort hatte der hiesige Landesverband FSA (natürlich ohne Rücksprache mit beiden Mannschaften) das Friesenstadion von Sangerhausen bestimmt, trotz der erheblichen Bedenken aller Beteiligten (Vereine, Polizei, TV- und Radiosender etc.) im Vorfeld dieser Partie. Leider endete das Finale auch, wie von zahlreichen Experten vorhergesagt, im Chaos, aber dazu später mehr. Trainer Petersen konnte erstmals seit langem aus dem Vollen schöpfen, von den Langzeitverletzten Marx und Kalbus abgesehen. Entsprechend schickte er seine bestmögliche Elf auf den Rasen, in der u. a. Rode als Rechtsverteidiger agierte. Ansonsten das gewohnt offensive 4-4-2-System, mit Hosenthien und Kopp in der Zentrale und Götz und Mutschler auf den Außenpositionen. HFC-Coach Köhler hatte ebenso kaum Personalsorgen, musste eigentlich nur Hebestreit (noch rotgesperrt) ersetzen, David und Hartmann fehlten schon länger im Hallenser Kader, Schubert entsprechend auf Sechs, Knaack in der Viererkette.

Jan Mutschler glänzte!

Jan Mutschler spielte stark!

„Glanzpunkte“ setzte der FSA als Ausrichter bereits vor dem Anpfiff, u. a. diente als offizieller Spielball ein rundes Leder, dass eigentlich maximal für Nachwuchs-Teams vorgesehen ist, der Käufer war wohl eher im Baumarkt unterwegs, statt im Sportfachgeschäft nach hochwertigen Fußbällen zu fragen. Warum zudem kein Schiedsrichtertrio, das bereits über Erfahrungen in der Regionalliga bzw. bei solch brisanten Duellen verfügt, angesetzt wurde, blieb das Geheimnis des hiesigen Verbandes. Die drei sehr jungen Unparteiischen trugen letztendlich mit mehreren strittigen Entscheidungen, die kurioser Weise fast alle zugunsten des HFC ausgelegt wurden, zu einem äußerst fragwürdigen Finale bei. Die erste Fehlentscheidung von Spielleiter Kluge führte gleich zum 0:1 durch Neubert (8.). Reitzig wurde an der Mittellinie regelwidrig gestoppt, Knaack nutzte dies zu einem Pass in den freien Raum, wo Aydemir klar im Abseits stand, auch kurz in Richtung Ball lief, aber Neubert nahm sich dann das Leder und bugsierte es aus 13 Metern ins Tor - ärgerlich! Weiter ging es mit einer bösen Grätsche von Finke an Saalbach, was natürlich ohne (!) Karte geahndet wurde (12.). Viel strenger entschied Kluge kurz darauf bei einem ersten Tackling von Kopp, der sofort Gelb sah (14.).

Mit Fußball ging es in der ansonst relativ fairen Partie weiter. Ecke Mutschler und sofort brannte es lichterloh im Hallenser Strafraum, aber weder Eggert noch Mutschler war es bei jeweiligen Nachschüssen vergönnt, den Ball ins Tor zu knallen (17.). Glück hatten wir dann jedoch, als Aydemir aus Nahdistanz an Kischel scheiterte (22.). Eine Minute später war es Lachheb, der in höchster Not vor Reitzig klärte, wie auch Schubert einen gefährlichen Einwurf von Götz noch vor Hosenthien aus der Gefahrenzone schlagen konnte. Ebenso nahm Reitzig einen verunglückten Torschuss von Hosenthien per Kopf auf, aber Horvat war auf dem Posten (32.). Viel mehr passierte bis zur Pause nicht, einzig toll anzusehen waren die teilweise hitzigen Duelle zwischen Reitzig und Bewacher Mouaya, beide schenkten sich nichts …

Florian Eggert (Bildmitte) erzielte in der 89. Spielminute den viel umjubelten Ausgleich zum 2:2!

Florian Eggert (Bildmitte) erzielte in der 89. Spielminute den viel umjubelten Ausgleich zum 2:2!

Auch die zweite Halbzeit begann mit einer fragwürdigen Entscheidung von Schiedsrichter Kluge, als Benes Gegenspieler Pölzing hart attackierte und somit einen Konter einleiten konnte, den Kanitz clever zum 0:2 abschloss (53.). Davon ließen wir uns jedoch nicht beeindrucken, denn jetzt ging ein „Ruck“ durch unsere Mannschaft. Nach Flanke von Mutschler brannte es erneut lichterloh im HFC-Strafraum, aber nach einem Querschläger von Ruttke und Nachschuss von Mutschler klärte Mouaya für seinen bereits geschlagenen Keeper auf der Torlinie (64.). Halle verlegte sich jetzt aufs Kontern und so war es Neubert, der nicht am glänzend parierenden Kischel vorbei kam (71.), aber nur drei Minuten später war es dann endlich soweit: Einwurf Götz, Kopfballverlängerung Hosenthien und Mutschler traf aus ca. zehn Metern zum 1:2 (74.). Ein geiles Tor!

Leeroy Götz (Nr. 23) überzeugte!

Leeroy Götz überzeugte!

Danach ließen wir einen Konter über Reitzig und Mutschler folgen, aber die Flanke von Krüger auf Götz blieb zu ungenau (77.). Nicht genau zielte glücklicherweise kurz darauf auch Lachheb, der aus drei Metern übers Tor schoss (79.). Kurz zuvor hatte Trainer Petersen noch mal gewechselt und auf eine Dreier-Abwehrkette umgestellt, volles Risiko war jetzt die Devise. Und wir wurden belohnt. Nach einem weiteren Einwurf von Götz versuchten sich Krüger und Hosenthien per Torschuss, sodass der Ball etwas glücklich bei Eggert landete, der aus sieben Metern zum viel umjubelten 2:2 traf, eisige Stille im HFC-Fanblock (89.)! Jedoch dauerte die Hallenser Trauer nur einen kurzen Moment, denn nur eine Minute später traf Lindenhahn, nach einem Konter über Schubert, zum 2:3-Siegtreffer (90.). Dann überschlugen sich nochmals die Ereignisse. Saalbach hatte deutlich darauf hingewiesen, dass die Sicht auf dem Spielfeld aufgrund des starken Nebels, bedingt durch Hallenser Rauchbomben, wiederholt erheblich eingeschränkt ist, aber Kluge zückte, statt die Partie zu unterbrechen, die Gelb-Rote Karte für angebliches Meckern - der Witz des Tages (92.)! Dennoch hatten wir noch die große Chance zum erneuten Ausgleich, aber der finale Pass von Gerlach auf den völlig freien Reitzig blieb an Lachhebs Rücken hängen. Das war’s dann leider…

Der FSA blamierte sich!

Der FSA blamierte sich!

Nach dem Abpfiff stürmten die HFC-Fans das komplette Spielfeld, sodass unsere Mannschaft gezwungen war, schnellstens in die Kabinen zu flüchten, Gesundheit ist nun mal oberste Priorität. Die Siegerehrung musste dann unter einem massiven Polizeiaufgebot stattfinden, aber Medaillen gab es sowieso nur für einen Teil unserer Mannschaft, der FSA hatte, wie so oft in den letzten Jahren, nicht genug dabei, was letztendlich zu einer katastrophal organisierten Veranstaltung, die keinesfalls eines Landespokal-Finales würdig war, noch zusätzlich beitrug. Am Ende feierte sich der hiesige Fußballverband selbst am meisten, hatte er doch in seinen Augen ein perfektes Endspiel organisiert. Jegliche Kritik seitens beider Mannschaften wurde, wie zu den „guten alten DDR-Zeiten“, bereits im Vorfeld und auch nach dem Spiel untersagt. Und über solche „Kleinigkeiten“ wie z. B. die besagten fehlenden Medaillen bei der Siegerehrung, Spielbälle aus dem „Baumarkt“, ein unzureichendes Programmheft, katastrophale Rahmenbedingungen und nie erfüllte notwendige Sicherheitsvorkehrungen muss man eben laut FSA kein großes Aufsehen erregen, war doch das Finale angeblich zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten verlaufen. Dass dann sogar der Gastgeber in höchsten Tönen und voller Stolz von einem bestens organisierten Endspiel sprach, spottet wohl jeder Beschreibung, aber immerhin hatte er sich wenigstens eine „goldene Nase“ verdient.

Nach dem Schlusspfiff brachen bei den HFC-Fans alle Dämme, der Platz wurde gestürmt. Fotos: Sebastian Grote!

Nach dem Schlusspfiff brachen bei den vielen HFC-Fans alle Dämme. Fotos: Sebastian Grote!

Um es mal an einem Punkt für alle Außenstehenden deutlich zu machen: Jedes „normale“ Ober- bzw. Regionalligaspiel wäre mehrmals unter-, wenn nicht sogar abgebrochen worden, bei den vielen Rauchbomben, Böllern und bengalischen Feuern, die seitens der HFC-Fans gezündet worden waren, aber bei einer Veranstaltung des FSA gelten anscheinend generell andere Regeln, dann werden auch offizielle Vorschriften außer Kraft gesetzt bzw. derart „gedehnt“, dass ein Finale unter allen Umständen und ohne eine einzige Unterbrechung zu Ende gespielt wird. Man darf sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, hätten wir den Pott nach Halberstadt geholt. Die Sicherheit unserer Mannschaft und der eigenen Anhänger war letztendlich zu keiner Zeit gewährleistet.

Für unsere Jungs gilt es nun wieder „Aufzustehen“, steht doch bereits am kommenden Mittwochabend das nächste Punktspiel an, wenn wir um 18 Uhr Borea Dresden » im heimischen Friedensstadion empfangen.

VfB Germania Halberstadt:
Kischel – Rode (67. Krüger), Saalbach, Siemund (39. Ruttke), Pölzing (78. Gerlach) – Götz, Kopp, Hosenthien, Mutschler – Reitzig, Eggert

Hallescher FC:
Horvat – Benes, Lachheb, Mouaya, Knaack – Schubert, Finke – Hauk (62. Lindenhahn), Aydemir (59. Stark), Kanitz – Neubert

Schiedsrichter: Patrick Kluge (Zeitz)
Tore: 0:1 Neubert (8.), 0:2 Kanitz (53.), 1:2 Mutschler (74.), 2:2 Eggert (89.), 2:3 Lindenhahn (90.)
Zuschauer: 3.470, inkl. ca. 2.500 HFC-Fans

Gelbe Karten: Kopp, Götz – Hauk
Gelb-Rote Karte: Saalbach (90.+2, Foulspiel, Meckern)

Torchancen: 5:6 (2:2)

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