„Wir müssen am Sonntag mit aller Kraft dagegen halten!“
Ein Drittel der Saison 2009/10 ist bereits absolviert, wir liegen nach zehn Oberliga-Spielen mit 18 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz und stehen im Achtelfinale des Landespokals. Genau der richtige Zeitpunkt, um erste Bilanzen zu ziehen. Dem entsprechend äußerte sich Trainer Andreas Petersen in einem ausführlichen Gespräch, wobei der 49-Jährige auch auf die kommende Partie gegen Sachsen Leipzig einging.
Herr Petersen, wie viel „Steine“ sind ihnen vom „Herzen“ gefallen, als der Auswärtssieg am letzten Sonntag bei Lok Leipzig perfekt war?
… ganze Felsbrocken sind sogar gefallen, das hat man bestimmt bis zum Brocken plumpsen gehört. Nach dem schwachen Heimspiel gegen Erfurt waren wir auch in der Pflicht, etwas aus Leipzig mitzunehmen, es war fast ein Muss, beim 1. FC Lokomotive zu gewinnen, und obwohl Lok über eine starke Mannschaft verfügt, hatten wir diese ehrgeizigen Ziele. Wir haben dort verdient drei Punkte geholt, und uns riesig gefreut.

Trainer Andreas Petersen
Haben sich bei ihnen, nach der kleinen Negativserie, mit drei Niederlagen aus vier Spielen, erste Zweifel breit gemacht, ob der eingeschlagene Weg der richtige war?
Definitiv NEIN! Zweifel gab es bisher nicht. In der Analyse ist es immens wichtig, diese nicht erfolgreichen Spiele im Einzelnen auszuwerten. In Bautzen, aber auch bei der U23 von Dynamo Dresden hat uns das notwenige Glück gefehlt. Bei beiden Niederlagen haben wir es versäumt, viele gute Chancen zu Toren zu nutzen. Enttäuscht haben meine Jungs eigentlich nur gegen Erfurts Zweite, das war wohl die bisher schlechteste Saisonleistung, aber deswegen fange ich nicht an, an meiner Arbeit zu zweifeln. Wir sind auf dem richtigen „Weg“, ganz klar. Was wir natürlich brauchen, ist ein gesunder Kader und keine gesperrten Spieler, denn auch der Konkurrenzkampf im Training ist sehr wichtig. Aber eins steht für mich ebenso fest, nach drei Niederlagen werfe ich nicht alles über Bord, was vorher gut war. Es ist immer bedeutend, in welcher Art und Weise Spiele verloren gehen.
Diesen Sonntag trifft Germania nun auf einen weiteren Leipziger Traditionsverein, den FC Sachsen. Was denken sie über das Duell mit dem Regionalliga-Absteiger?
Solche Duelle sind immer Highlights für uns, auch für unsere Fans und Zuschauer. „Chemie Leipzig“ ist nach wie vor eine große „Nummer“ im ostdeutschen Fußball. Die Leutzscher bringen viel Tradition mit. In der hiesigen Oberliga möchten wir allerdings zeigen, dass wir auch solche Spiele gewinnen können, einen so genannten „Großen“ schlagen. Wir wollen diese Begegnung genießen und der relativ großen Kulisse tollen Fußball bieten.
Wird es gegen den FC Sachsen einfacher zu gewinnen als zuletzt bei Lok Leipzig?
… eine komische Frage… Natürlich nicht! In dieser ausgeglichenen Liga ist es nie einfach zu gewinnen, weder gegen den FC Sachsen, noch gegen einen anderen Gegner. Jede Mannschaft hat ihre Stärken, aber auch Schwächen. „Chemie“ wurde in der Liga neunmal nicht besiegt, alleine das zeugt von Stärke, Beständigkeit und Willenskraft. Die Gäste werden am Sonntag „kratzen, beißen, spucken“ und alles dafür tun, zumindest nicht zu verlieren. Wir müssen darum mit aller Kraft dagegen halten, wenn wir zu Hause gewinnen wollen.
„Chemie“ musste seinen Kader aufgrund finanzieller Probleme im vergangenen Sommer fast komplett austauschen. Trotzdem hat die Mannschaft um Trainer Dirk Heyne erst einmal verloren und auswärts ist sie gar unbesiegt. Hätten sie das erwartet?
… na freilich… Der FC Sachsen verfügt seit Jahren über eine exzellente Nachwuchs-Abteilung. Darüber hinaus gibt es in Leipzig und dem zugehörigen Umland sehr viele gut ausgebildete Fußballer. Für Trainer Dirk Heyne ist es ein Fundus, mit diesen jungen und erfolgshungrigen Spieler zu arbeiten. Dass „Chemie“ oben mit dabei ist, habe ich schon erwartet. Und finanzielle Probleme hin oder her, der FC Sachsen ist ein Kultverein, und er wird früher oder später auch wieder höherklassig Fußball spielen.
Einen Dreier diesen Sonntag voraus gesetzt, fallen die Ansetzungen für ihre Mannschaft in den kommenden Wochen relativ „günstig“ aus. Am nächsten Sonntag geht’s dann zum Tabellenletzten Schott Jena und danach stehen zwei weitere Heimspiele an. Wie groß soll die Punkteausbeute ausfallen und wo wird Germania zu Weihnachten stehen?
„Günstige“ Ansetzungen gibt es Fußball schon mal gar nicht. Jede Partie muss erst einmal für sich gespielt werden, auch beim Tabellenletzten, denn auch „Schott“ wird um jeden Punkt fighten. Wir denken von Spiel zu Spiel, zuerst muss gegen den FC Sachsen gewonnen werden, und dann, erst dann schauen wir auf den nächsten Gegner. Im heimischen Rund wollen wir unsere Stärken ausspielen, und wenn möglich, immer einen Dreier einfahren. Es gilt, dem Publikum etwas zu bieten. Natürlich streben wir die optimale Punktausbeute an, ist doch völlig klar, wir wollen jede Begegnung gewinnen, aber das will der Gegner ja auch. Wenn wir unser durchaus vorhandenes Potential in allen Spielen bis zur Winterpause abrufen können, möchten wir zum Ende der Hinrunde natürlich sehr gerne unter den besten Dreien stehen. Ob uns dies gelingt, werden die nächsten Wochen zeigen. Wir haben jedoch eine gute Ausgangsposition, soweit gehe ich mit, aber die müssen wir auch nutzen!
Im Pokal treten ihre Jungs zum dritten Mal in Folge bei einem Landesligisten an und kämpfen am 14. November in Bismark um den Einzug ins Viertelfinale. Denken sie schon ans Endspiel?
Ganz ehrlich, wer bereits vor dem Viertelfinale ans Endspiel denkt, ist absolut überheblich. Wir müssen erstmal in Bismark gewinnen, das wird schwer genug, auch wenn es „nur“ ein Landesligist ist. Bisher konnten wir durchaus vom „Losglück“ profitieren, das kann ruhig so weiter gehen. Meine Mannschaft muss es aber auch nutzen, wir dürfen das Glück aber ebenso nicht überstrapazieren, so wie zuletzt teilweise in Arnstedt. Und wie sagt man so schön, der Pokal hat seine eigenen Gesetze und ab dem Viertelfinale ist alles möglich, aber das Finale ist noch ganz weit weg.

Andreas Petersen ist mit dem bisher Erreichten relativ zufrieden! Fotos: Sebastian Grote
Das erste Saison-Drittel ist mit zwölf Pflichtbegegnungen absolviert. Vor ihnen stehen nun 20 weitere Punktspiele und wenn es optimal läuft auch noch vier Pokalduelle. Wie sieht ihr bisheriges Fazit aus und was wird noch bis zum Mai 2010 passieren?
Wer mich kennt, der weiß, ich bin nie zufrieden. Andererseits sind wir, wie schon gesagt, auf einem guten Weg. Wir haben dennoch drei bis vier Punkte „liegen gelassen“, aber die sportliche Perspektive passt absolut. Bis zum letzten Spieltag, Ende Mai 2010, kann noch so viel passieren, das lässt sich momentan noch gar nicht abschätzen. Ich hoffe auf eine positive Überraschung, was den weiteren Saisonverlauf angeht, und wie bereits betont, unsere Ausgangslage ist so schlecht nicht. Für mich ist jedoch vorrangig wichtig, dass in der Winterpause alle Spieler wieder gesund werden und ihre Verletzungen auskurieren, soweit es möglich ist, denn personell wurden wir in der Hinrunde bisher arg gebeutelt. Auch aus diesem Grund haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, erstmalig in der kommenden Winterpause bzw. in der Vorbereitung im Januar, keine Hallenturniere zu spielen. Meine Jungs sollen sich voll und ganz auf die Rückrunde konzentrieren, denn wir haben schon vor, den einen oder anderen Außenstehenden mit positiven Erfolgen zu überraschen. Gerade im Landespokal wollen wir endlich mal etwas „reißen“. Dazu bedarf es einer optimalen Vorbereitung, mit einem komplett gesunden Kader. Ansonsten kann ich sagen, meine Mannschaft ist intakt, das Team hat Potential und wir alle sind jeden Tag bestrebt, uns weiter entwickeln.
Angesichts der vermeidbaren Punktverluste in Bautzen und gegen Erfurts Zweite könnte Germania in der Tabelle eigentlich noch weiter oben stehen. Wie sehr ärgert sie das?
Es stimmt, in Bautzen müssen wir eigentlich gewinnen, genug Chancen hatten wir ja, zumal wir dort auch fußballerisch überzeugt haben und klar besser waren. Gegen Erfurt, haben wir, wie gesagt, nur sehr wenig Positives gezeigt. Dennoch, aus diesen beiden Spielen hätten wir mindestens vier Punkte holen müssen. Am Ende gab es aber leider gar keinen einzigen zu „verbuchen“, das war schon bitter. Natürlich ärgert mich so was auch, ist doch völlig klar. Mit 22 möglichen Punkten wären wir immerhin Tabellen-Zweiter. Auch innerhalb der Mannschaft werten wir so etwas kritisch aus, aber wir werden das so schnell wie möglich korrigieren, zumindest ist das unser Ziel.
Wie schätzen sie ansonsten die Lage in der Oberliga ein?
Beim Blick auf die aktuelle Tabelle wird doch immer wieder deutlich, dass alles sehr „eng“ und ausgeglichen ist, wie auch in den letzten Jahren. Dies spricht für die Spielstärke unserer Liga. Um „dranzubleiben“ musste du immer deine „Hausaufgaben“ erledigen. Außerdem darfst du keinen einzigen Gegner unterschätzen. Gerade diese Zweiten Mannschaften sind unberechenbar und zurzeit richtig gut dabei. Darüber hinaus hast du noch die gestandenen Vereine wie Auerbach, Bautzen, Zwickau etc. Hinzu kommen die starken Aufsteiger aus Halle und Dresden. Jeder kann jeden schlagen, von Krösus RB mal abgesehen, der Tabellenstand sagt definitiv keinen Spielausgang voraus.
Was fehlt ihrer Mannschaft noch, um mit RB Leipzig mithalten zu können oder ist die Meisterschaft bereits entschieden?
Ganz einfach, die 2 bis 3 Millionen Euro, die dort vor der Saison in die Mannschaft investiert worden. Neid ist hier jedoch völlig fehl am Platz. RB Leipzig ist das Nonplusultra unserer Liga, wirtschaftlich und auch sportlich. Die Markranstädter sind eigentlich unerreichbar, allein schon von der fußballerischen Qualität. Dort stehen mehr als 1.000 Bundesligaspiele auf dem Platz, und dann ist es auch völlig normal, dass die „Roten Bullen“ auf Platz 1 stehen. Aber auch RB wird noch Punkte liegen lassen. Trotzdem wollen wir dem Liga-Krösus im Rückspiel „ein Bein stellen“, denn unschlagbar ist auch RB nicht. Leider fehlte uns bisher die Konstanz, um näher am Spitzenreiter dran zu bleiben und etwaigen Druck aufzubauen. Ich hoffe, dass die Meisterschaft noch nicht entschieden ist, denn immerhin stehen noch 20 Spiele aus, und wie lautet mein Lieblingsspruch so schön: „Hinten kackt die Ente“.

Mario Hosenthien (34 Jahre)
Auffällig in dieser Spielserie sind die massiven Verletzungsprobleme, aufgrund der sie noch nicht einmal ihre Top-Elf auf den Rasen schicken konnten. Was ist da los?
Ich bin nun seit 1987 Trainer im höherklassigen Fußballgeschäft, aber so was hab auch ich noch nicht erlebt. Für mich ist das ebenso völliges Neuland. Man macht sich schon so seine Gedanken, woran das liegen könnte. Zu hartes Training, oder die falsche Vorbereitung oder fehlt bei den Spielern die leistungsorientierte Regeneration? Schaut man sich die vielen Verletzungen jedoch genau an, ist es wohl eine Mischung aus vielen Komponenten, denn allein bei unseren vier langzeitverletzten Hosenthien (Foto), Kalbus, Kessler und Rode waren immer entsprechende Zweikämpfe Auslöser für die Knieverletzungen. Natürlich kommt auch hinzu, dass meine Jungs extrem hohe Belastungen verkraften müssen. Fünf bis sechsmal Training in der Woche, dann der Stress auf Arbeit oder in der Ausbildung, die harten Wochenenden, wo einige Spieler sogar samstags in der Zweiten antreten und auch sonntags in der Ersten dabei sind, da fehlt dann teilweise die notwendige Regeneration, keine Frage. Jedoch sind meine Jungs auch selbstverantwortlich für entsprechende Erholungsphasen. Ich hoffe aber ebenso, dass wir diese extreme Pechphase überwunden haben, und ich bald wieder auf meinen kompletten Kader zugreifen kann, von den Kreuzband-Patienten Kalbus und Kessler, die noch etwas länger brauchen, abgesehen.
Können sie uns kurz einen Überblick über die langzeitverletzten Hosenthien, Kalbus, Kessler und Rode geben?
Bei Mario Hosenthien und Sascha Rode sieht es ganz gut aus, dass sie, wenn alles optimal läuft, zum Start der Wintervorbereitung wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können. „Hose“ wurde am vergangenen Dienstag an beiden Knien operiert, und alles verlief sehr erfolgreich. Bei Sascha wird Anfang November ein kleiner Eingriff am Meniskus vorgenommen, sodass beide im neuen Jahr wohl wieder voll belastbar sein werden. Robert Kalbus und auch Christopher Kessler wurden ja bekanntlich am Kreuzband operiert. Solche Verletzungen sind immer mit langen Ausfallzeiten verbunden. Robert kann vielleicht im Frühjahr ins Training einsteigen, bei „Kessi“ dauert es noch etwas länger.
In dieser Saison wurde ihr Team nicht mit guten Schiedsrichter-Leistungen überhäuft. Vor allem bei den Niederlagen in Markranstädt, Bautzen und zu Hause gegen Erfurt standen die Unparteiischen leider mehrmals im Mittelpunkt. Wie gehen sie als Trainer damit um?
… ein sehr sensibles Thema… Natürlich ärgert man sich auch als Trainer über die eine oder andere Fehlentscheidung. Fußball ist jedoch ohne Schiedsrichter gar nicht möglich, alle machen Fehler, die Fußballer auf dem Platz noch viel mehr als die Unparteiischen. Und wie sagt man so schön, eigentlich gleicht sich im Laufe der Saison immer wieder alles aus. Ich gehe positiv damit um, suche die Schuld in der Spielauswertung nie beim Schiedsrichter, sondern immer zuerst bei meinen Jungs. Außerdem ist es nicht einfach, in Millisekunden zu entscheiden, und auch Bundesliga-Schiedsrichter machen Fehler. So etwas wird immer wieder vorkommen, und das macht ja keiner der Spielleiter mit Absicht. Wichtig ist das Gefühl, dass auch die Unparteiischen immer ihr Bestes geben, objektiv und neutral bleiben, und sich nicht von außen beeinflussen lassen. Ich wünsche unserem Schiedsrichter vom Sonntag eine Top-Leistung gegen Sachsen Leipzig, dann ist allen Beteiligten geholfen.
Noch ein paar Worte zum Schluss?
Unsere Fans haben uns in den letzten Wochen außergewöhnlich gut unterstützt. Es gab viel Applaus für unsere Mannschaft, auch vor und nach dem Spiel. Es hat sich ein kleiner positiver Wandel vollzogen, und ich hoffe, dass es so weiter geht, dass wir entsprechend unserer Leistungen unterstützt werden. Auf jeden Fall ein großes Dankeschön an die Fans, auch im Namen meiner Jungs.
Ich bedanke mich ebenso für das ausführliche Gespräch!











