VfB Germania Halberstadt

9. September 2009

„Vorne mindestens eins machen und hinten zu Null!“

Vor dem kommenden Heimspiel gegen den VfB 09 Pößneck stellte sich Neuzugang Christof Neumann (Foto) für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Der 22-jährige Offensiv-Allrounder wechselte im Sommer vom 1. FC Gera 03 nach Halberstadt und konnte bereits drei Pflichtspieltreffer für Germania erzielen.

Christof Neumann (22 Jahre)

Christof Neumann. Foto: Grote

Am Sonntag empfangen wir mit Pößneck einen sehr unbequemen Gegner, können dennoch vielleicht den vierten Sieg im fünften Ligaspiel erringen. Was denkst du über dieses Duell?
Diese Partie wird bestimmt nicht einfach. Pößneck ist relativ gut in die Saison gestartet, mit zwei Siegen und einem Remis in der Liga, und dem Weiterkommen im Landespokal, und die Thüringer liegen in der Tabelle nur zwei Zähler hinter uns. Zuletzt sind sie allerdings in Halle arg unter die Räder gekommen, was es für uns jedoch nicht leichter macht, ganz im Gegenteil, denn jetzt wird Pößneck erst Recht alles geben, um hier mindestens einen Punkt mitzunehmen. Eins ist jedoch auch klar, für uns zählen nur die drei Punkte, denn wir wollen mit einem Sieg oben dran bleiben. Die Gäste haben sich jedoch auch gut verstärkt, haben viele neue Spieler in den eigenen Reihen, die hoffentlich noch nicht bestens eingespielt sind, so wie wir. Dies könnte vielleicht ein Vorteil sein…

In den bisherigen zwölf Vergleichen mit Pößneck fielen 51 (!) Treffer. Können wir Sonntag wieder mit vielen Toren rechnen, angesichts der Tatsache, dass die letzten beiden Aufeinandertreffen jeweils knapp mit 1:0 von uns gewonnen worden?
… das kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen, das wird erst der Spielverlauf am Sonntag zeigen :-)… Ich kann dir aber dazu Folgendes erzählen: Wenn wir weiterhin zu Hause dermaßen offensiv spielen wie bisher, speziell wie zuletzt gegen Halle, dann können vielleicht abermals mehrere Tore fallen. Trotzdem darfst du Pößneck nicht unterschätzen und jedes Spiel beginnt bei Null, ich hoffe, mit einem erneut erfolgreichen Ende für uns. Dazu reicht auch mal ein 1:0, also vorne mindestens „eins machen“ und hinten „zu Null spielen“ heißt unsere Devise, denn wir legen auf eine bestimmte „Sache“ besonderen Wert, und das sind die drei Punkte. Natürlich werden wir auch wieder versuchen, mit offensivem Fußball zu begeistern, das versteht sich doch von selbst. Ebenso ist mir auch klar, dass sich die Zuschauer immer viele Treffer wünschen. Mal schauen, ob wir diese Wünsche am Sonntag erfüllen können.

Christof, hast du erwartet, dass wir dermaßen erfolgreich in die Saison starten?
… eigentlich schon! Wir haben eine gute Truppe zusammen, haben auch das Ziel, alsbald höherklassig zu spielen bzw. aufzusteigen, da musst du von Anfang an „oben“ dabei sein. Ebenso gehört dazu, die Heimspiele zu gewinnen und auswärts für die eine oder andere Überraschung zu sorgen. Und obwohl wir zuletzt bei RB Leipzig nicht unseren besten Tag hatten, konnten wir dem Ligakrösus doch ordentlich Paroli bieten. Daran müssen wir nun anknüpfen und uns weiter verbessern. Unser Mannschaftsgefüge passt auf jeden Fall, und ich habe ein gutes Gefühl, dass wir diese Saison etwas erreichen können. Dies gilt natürlich auch für den Landespokal!

Was meinst du, ist es möglich, dass wir beim Kampf um die Meisterschaft ein ernsthaftes Wort mitreden können oder wird Ligakrösus RB Leipzig unangefochten den Titel holen?
Ich denke schon, dass wir in der vorderen Tabellenregion länger verweilen können und auch vor RB müssen wir uns nicht verstecken. Ja, ich kann mir schon vorstellen, dass wir ein ernsthafter Konkurrent werden, vielleicht sogar schon sind, zumal sich die „Bullen“ bereits das eine oder andere Mal schwer getan haben, vor allem auswärts. Geld alleine schießt keine Meisterschaft, dafür brauchst du auch eine gut funktionierende Mannschaft. Wir haben 26 Spiele vor uns, zig Punkte werden noch vergeben und es kann so viel passieren, aber es muss natürlich allen Beteiligten klar sein, dass RB der absolute Topfavorit auf den Titel ist und alles andere wäre eine große Überraschung, wenn nicht sogar eine Sensation. Wir müssen uns aber sowieso zuerst auf uns selbst konzentrieren, die eigenen Spiele gewinnen, um weiterhin oben dran zu bleiben. Hertzsch, Bick, Reimann, Rosin und Co. werden auch noch Punkte liegen lassen und dann müssen wir zur Stelle sein.

Du warst damals zum Probetraining in Halberstadt und hast dich dann relativ schnell für Germania entschieden. Was waren die ausschlaggebenden Gründe?
Germania und insbesondere Trainer Andreas Petersen haben sich sehr um mich bemüht. Außerdem sind die Halberstädter Rahmenbedingungen für einen Oberligisten wirklich beispielhaft. Dies sollten auch alle hier spielenden Fußballer zu schätzen wissen. Darüber hinaus will ich mich weiter entwickeln und neue Herausforderungen suchen. Das kann ich beim VfB Germania, zumal hier der Aufstieg in die Regionalliga angestrebt wird. Ebenso kannte ich Halberstadt aus den Duellen mit Gera, und da war der VfB immer bärenstark.

Christof Neumann (22 Jahre) in der Partie bei RB Leipzig. Foto: Sebastian Brauner

Christof Neumann (22 Jahre) in der Partie bei RB Leipzig. Foto: Sebastian Brauner

Über die Stationen Schwerin, Cottbus, Erfurt und Gera bist du nun in Halberstadt gelandet. Erzähl uns doch bitte etwas über deine fußballerische Entwicklung.
Im Alter von 10 Jahren bin ich auf das Schweriner Sportinternat gewechselt. Ich wurde relativ jung gesichtet und bin eben schon sehr früh von zu Hause (Meyenburg, Brandenburg, die Redaktion) weg. In Schwerin habe ich eine gute fußballerische Ausbildung genossen, mit ebenso tollen Rahmenbedingungen, u. a. mehrmals Vormittags Training usw. Mit 17 wechselte ich dann zu Energie Cottbus, spielte dort in der A-Jugend-Bundesliga und wurde in der zweiten Saison gleich Torschützenkönig. Im Sommer 2006 durfte ich dann die Vorbereitung bei der Cottbuser Männer-Bundesliga-Mannschaft mitmachen und habe zuvor auch schon mehrmals bei den dortigen Amateuren gespielt. Dann ging es zu Rot-Weiß Erfurt, wo ich auch sehr gute Rahmenbedingungen vorfand. Dort trainierte ich ebenso bei der Ersten und kam auch sofort zu Kurzeinsätzen in der damaligen Regionalliga. Leider warfen mich in der Folge immer wieder kleinere und auch größere Verletzungen zurück. So entschied ich mich, in der Oberliga, bei Gera 03, Spielpraxis zu sammeln, nachdem ich fast 8 Monate nur unter Schmerzen kicken konnte. Irgendwann war ich dann auch wieder komplett gesund und konnte für Gera in der vergangenen Saison in 25 Spielen neun Tore erzielen, das war schon ordentlich. Dennoch habe ich eine neue Herausforderung gesucht und hier in Halberstadt gefunden, denn ich möchte mich, wie schon gesagt, sportlich weiter entwickeln.

Wie gefällt dir deine neue Heimat?
Ich bin sehr gut aufgenommen worden und fühle mich hier richtig wohl. Außerdem habe ich einen tollen Job im FSZ, speziell im Sportland, und ebenso viele neue Leute kennen gelernt. Ja, ich habe mich sehr gut eingelebt!

Wurden deine Erwartungen bisher erfüllt?
… auf jeden Fall. Wir sind sportlich gut gestartet und alles, auch das Persönliche und Private passen insgesamt. Ich hoffe natürlich, dass wir weiterhin Erfolg haben, dann fällt vieles leichter.

In den bisher vier absolvierten Pflichtspielen konntest du bereits drei Treffer erzielen. Bist du mit deinen gezeigten Leistungen zufrieden?
Für den Anfang ist das schon ok, aber ich kann noch viel besser Fußball spielen. Zurzeit agiere ich ja auf den Außenpositionen, das ist nicht ungewohnt für mich, ich fühle mich dort auch wohl, aber man darf nicht vergessen, dass ich den letzten Jahren vorrangig als Mittelstürmer eingesetzt wurde. Dennoch lerne ich fast täglich dazu und werde alles daran setzen, mich stets und ständig weiter zu entwickeln.

Vor allem der Treffer gegen Halle hat die Zuschauer begeistert, als du per Direktabnahme volley ins Tor trafst. Eine Stärke von dir?
Über die eigenen Stärken spreche ich ungern, aber klar, ich bin schon schussstark. Über diese eine Tor möchte ich aber nicht weiter groß reden, sonst gelingt mir so etwas vielleicht nie wieder. Dennoch gehört natürlich auch eine große Portion Glück dazu, zumal ich den Ball wohl perfekt getroffen habe. Darauf ausruhen fällt aber aus, denn solche Treffer sollen noch öfters klappen, ich will doch der Mannschaft vor allem mit Toren helfen.

Was hast du ansonsten noch für sportliche Ziele?
Wie hier schon mehrmals betont, möchte ich mich fußballerisch weiterentwickeln. Dazu gehört in dieser Saison auch, gemeinsam mit der Mannschaft so lange wie möglich oben mitzuspielen, schließlich wollen wir über kurz oder lang in die Regionalliga. Ebenso werde ich an meinen „Schwächen“ arbeiten und natürlich möchte ich am liebsten mit Germania schnellstmöglich aufsteigen, aber auch der Gewinn des Landespokals ist ein großes Ziel, nicht nur für mich, sonst für uns alle!

Möchtest du uns noch etwas anderes erzählen?
An dieser Stelle geht ein großes Dankeschön an meine Familie, die mich in meiner Fußballkarriere seit Jahren sensationell unterstützt. Danke dafür! Darüber hinaus hoffe ich auf noch mehr Fans im Friedensstadion, um gemeinsam aufzusteigen, Halberstadt soll bald noch mehr positive Schlagzeilen schreiben!

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

» Vorbericht Pößneck

Zur Diskussion im Fan-Forum »