VfB Germania Halberstadt

14. Oktober 2009

„Müssen mit voller Konzentration bei der Sache sein!“

Am Sonntag empfangen wir das U23-Team von Rot-Weiß Erfurt. Vor dieser Partie stellte sich Torwart Daniel Löffke (Foto) für ein Interview zur Verfügung. Der 24-Jährige rückte zuletzt in den Mittelpunkt, da er den verletzten Stammkeeper Sebastian Kischel ersetzen musste. Außerdem ist Löffke seit gut zwei Wochen Vater einer kleinen Tochter.

Torwart Löffke (Mitte) nach dem 2:0-Heimsieg gegen Aues U23-Mannschaft. Fotos: Sebastian Grote

Torwart Löffke (Mitte) nach dem 2:0-Heimsieg gegen Aues U23-Mannschaft. Fotos: S. Grote

Am Sonntag treffen wir zum dritten Mal in Folge auf eine Zweite Mannschaft. Was denkst du über diese Duelle mit den Reserve-Teams bzw. was erwartet uns diesmal gegen Erfurt?
Diese so genannten Reserve-Teams der Drittliga-Mannschaften sind immer sehr spielstark und verfügen meist über gut ausgebildete Fußballer. Außerdem weißt du als Gegner nie, was dich in solchen Duellen erwartet bzw. inwieweit Leute aus der Ersten abgestellt werden. Auch gegen Erfurt wird es nicht einfach, und wir dürfen die Thüringer auf jeden Fall nicht ins Spiel kommen lassen, das steht fest. Natürlich werden wir alles geben, um zu gewinnen. Dazu müssen wir am Sonntag mit voller Konzentration bei der Sache sein.

Im Friedensstadion haben wir bisher alles gewonnen, und auch gegen Erfurt gab es in den vergangenen Jahren zu Hause nur Siege. Wird diese Erfolgsserie am Sonntag fortgesetzt?
… natürlich! Wir wollen uns in der Tabelle oben festsetzen und da wir zuletzt auswärts nichts „gerissen“ haben, müssen wir am Wochenende einen Dreier nachlegen, ist doch völlig klar. Aber einfach wird dieses Vorhaben bestimmt nicht, denn Erfurt wird alles daran setzen, zumindest einen Punkt mitzunehmen.

In den letzten Wochen hast du den verletzten Stammkeeper Sebastian Kischel ersetzt. Wie groß ist die Umstellung von der Landes- auf die Oberliga?
Als Torwart ist die Umstellung vielleicht nicht ganz so groß, Feldspieler haben es da schon etwas schwerer. Fakt ist aber auch eins, dass sich das Leistungsniveau erheblich unterscheidet und gerade individuelle Fehler in der Oberliga viel schneller bestraft werden, als in der Landesliga. Für uns als Torhüter ist natürlich ebenso die nervliche Belastung umso größer, je höher die Liga ist, in der du spielst. Ansonsten ist der Abstand zwischen fünfter und siebter Liga schon ernorm, ohne eine der Ligen zu unter- bzw. zu überschätzen.

Gegen Erfurt rückst du wahrscheinlich wieder ins „zweite Glied“, da dein Torwart-Kollege wohl wieder fit sein wird. Wie gehst du damit um?
Natürlich stehe ich viel lieber im Tor, statt auf der Ersatzbank zu sitzen. Ich denke aber auch, dass es mein Job ist, gute Leistungen abzurufen, wenn ich gebraucht werde. Auf mich ist eigentlich stets Verlass, wenn es „brennt“, bin ich da…

Du hast jetzt in dieser Saison vier Pflichtspiele absolvierst. Bist du mit deinen eigenen Leistungen zufrieden?
… was die drei Ligaspiele angeht, waren meine Leistungen im Großen und Ganzen ok, wenn ich das mal sagen darf. Natürlich hätte ich gern dreimal gewonnen, leider war dies nur gegen Aue der Fall. Somit kann ich auch nicht hundertprozentig zufrieden sein, immerhin haben wir auch zweimal verloren. Beim Pokal in Arnstedt konnte ich leider keine Top-Leistung erbringen.

In Bautzen und in Dresden standest du bei den knappen Niederlagen im Tor. Haben wir dort Punkte verschenkt?
Ich meinen Augen haben wir bei beiden Spielen eindeutig Punkte liegen lassen. In Bautzen waren wir klar besser, fuhren aber leider ohne Punkte wieder nach Hause. Bei Dynamo trafen wir auf eine ernorm verstärkte Zweite Mannschaft, haben in der ersten Halbzeit mehrere richtig gute Möglichkeiten, treffen das Tor aber nicht. Ich sage auch an dieser Stelle ganz deutlich. Wenn du oben mitspielen willst, musst du aus diesen Begegnungen eben mindestens zwei Punkte mitnehmen, wenn nicht sogar eine Partie gewinnen.

In Arnstedt sind wir im Pokal knapp an einer Blamage vorbei geschrammt. Was war los oder habt ihr den Landesligisten einfach nur unterschätzt?
… wie sagt man so schön, der Pokal hat immer seine eigenen Gesetze. Ebenso darf die Ausrede „Kleiner Platz“ eigentlich nicht gelten, und unterschätzt haben wir den Gegner auch auf keinen Fall. Wir wussten eigentlich was uns erwartet. In Arnstedt sind wir aber nur schwer ins Spiel gekommen, haben jedoch am Ende „den Kopf aus der Schlinge gezogen“. Im Pokal ist aber eh nur eins wichtig und zwar das Weiterkommen. Das konnten wir umsetzen, wenngleich wir uns dabei nicht wirklich mit „Ruhm bekleckert“ haben, aber falls wir den Pott nach Halberstadt holen, spricht keiner mehr über Arnstedt. Und… nach dem Spiel ist vor dem Spiel… :-)

Daniel Löffke (24 Jahre)

Daniel Löffke (24 Jahre)

Wer ist dein Wunschgegner fürs Achtelfinale und was denkst du, haben wir es diese Saison in der Hand, ins Endspiel einzuziehen, es wäre immerhin eine Premiere für Germania?
Ganz ehrlich, ich habe sogar zwei Wunschgegner für die nächste Pokalrunde. Am liebsten möchte ich bei Eintracht Elster antreten, denn dort gibt es, ich sage mal ganz vorsichtig, ein ganz spezielles Publikum, und mit unserer Zweiten konnten wir dort in mehreren Landesliga-Duellen noch nie gewinnen. Darüber hinaus hat ein Pokalderby gegen den 1. FC Magdeburg immer noch seinen Reiz, allein schon wegen der zu erwartenden großen Kulisse, und wir wollen die Blau-Weißen endlich mal frühzeitig „rausschmeißen“. Außerdem glaube ich schon, dass wir diese Saison im Pokal etwas „reißen“ können, wir sind spielstark und gerade im Offensivbereich sehr gut aufgestellt. Unsere Mannschaft möchte endlich mal in der ersten Runde des DFB-Pokals starten und dort für Furore sorgen.

In unserer Zweiten wechselst du dich in der Landesliga mit Keeper Chris Borgsdorf ab. Wie haltet ihr die Spannung hoch bzw. was treibt dich zu guten Leistungen an?
Als Fußballer willst du jedes Spiel gewinnen, und auch in der Zweiten gebe ich immer alles, zumal ich dort schon seit mehreren Jahren regelmäßig im Tor stehe. Dies schließt natürlich auch gute Trainingsleistungen ein, aber nichts geht über die wiederkehrende Spielpraxis, und so wechseln Chris und ich uns eben alle zwei Wochen ab.

Hinter dir liegen relativ turbulente Wochen. Erst musstest du für Kischel kurzfristig einspringen und seit kurzem bist du zudem Vater einer kleinen Tochter. Wie hast du den ganzen Stress verkraftet?
… gut, sehr gut sogar. Dies fiel mir auch nicht schwer, sind doch alle Ereignisse durchaus positiv und machen ebenso richtig Spaß. Neben den Oberliga-Spielen, die ich absolvieren durfte, ist natürlich mein kleines Töchterchen Maddison-Jocelyn das allergrößte für mich. Die Geburt meines eigenen Kindes stellt alles bisher da gewesene in den Schatten, zumal sich dadurch auch die Wichtigkeiten im Leben grundsätzlich neu ordnen. Wenn du als Vater dein Baby auf dem Arm hältst, wird vieles anderes zur Nebensache.

Du arbeitest bei einer großen Versicherung, spielst nebenbei Fußball und bist nun auch noch Jungvater. Wie lässt sich das alles unter einen „Hut“ bringen?
Einfach ist das nicht, das gebe ich gerne zu, zumal sich auch meine Lebensgefährtin hin und wieder etwas mehr gemeinsame Zeit wünscht. Ich sehe es jedoch auch als große Herausforderung, alles unter diesen einen besagten „Hut“ zu bringen.

Im Nachwuchsbereich hast du auch zwei Jahre die Magdeburger Fußballschule durchlaufen und warst zuvor sogar im Aufgebot der U16-Nationalmannschaft. Erzähl uns doch bitte mal etwas über diese erfolgreichen Zeiten!
Im Jahr 2000 wurde ich beim Nachwuchs-Länderpokal in Duisburg für die U16-Nationalmannschaft gesichtet und daraufhin zweimal zu DFB-Lehrgängen eingeladen. Der damalige Trainer war Klaus Sammer und auch solche bekannten Fußballgrößen wie Piotr Trochowski und Michael Rensing fanden sich ebenso im Aufgebot wieder. Dann stand ich für zwei Jahre beim 1. FC Magdeburg unter Vertrag, habe dort die B- und A-Jugend durchlaufen, in der damals höchstmöglichen Spielklasse, in der Regionalliga, im Tor gestanden und auch ein Jahr im Sportinternat gewohnt, u. a. mit dem jetzigen „Superstar“ Alexander Kopp. Dann hat sich Frank Lieberam stark um mich bemüht und mich mit einem sehr guten Angebot nach Halberstadt zurückgeholt.

Was hast du sonst noch für sportliche Ziele in deiner Karriere?
… sehr gerne würde ich mit unserer Oberliga-Mannschaft noch mal aufsteigen, und wie schon gesagt, wir wollen endlich den Landespokal nach Halberstadt holen. Auch mit der Zweiten Mannschaft wäre der Aufstieg in die Verbandsliga ein angestrebtes Ziel. Mal schauen, was sich davon demnächst umsetzen lässt.

Noch ein paar Worte zum Abschluss?
… was ich sozusagen schon immer mal sagen wollte… Der Harzkreis und seine Bewohner sollten sehr froh darüber sein, dass hier Oberliga-Fußball geboten wird, denn außer Magdeburg und Halle gibt es in unserem Bundesland nichts Vergleichbares. Und darum bin ich der Meinung, und damit stehe ich nicht allein, dass wir bei den Heimspielen durchaus mehr Zuschauer verdient hätten, denn mehr Zuschauer steigern das Interesse insgesamt, auch bei etwaigen neuen Sponsoren. Eine positive Entwicklung wäre ebenso für die ganze Region von Vorteil, und für alle Fußballfans gibt es doch nichts besseres, als brisante Regionalliga-Duelle gegen den 1. FCM, HFC oder Babelsberg.

Darüber hinaus möchte ich an dieser Stelle meiner Freundin Kelly herzlich für ihre Unterstützung danken. Für meine beiden Jobs, bei der Debeka-Versicherung und hier beim Fußball, bringt sie sehr viel Verständnis auf, sie stärkt mir in jeder Hinsicht den „Rücken“ und beweist mir immer wieder aufs Neue, dass sie meine Traumfrau ist. Vielen Dank dafür!

Ebenso vielen Dank für das nette Gespräch!

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