„Wollen uns am Sonntag mit einem Sieg verabschieden!“
Zum letzten Heimspiel des Jahres empfangen wir am Sonntag den 1. FC Gera 03 im Friedensstadion. Vor dieser Partie stand Allrounder Leeroy Götz (Foto) für ein ausführliches Interview zur Verfügung, der sich nicht nur zur vorletzten Hinrunden-Begegnung äußerte, sondern auch auf seine persönliche Situation einging.

Leeroy Götz (19 Jahre)
Am Sonntag spielst du zum ersten Mal gegen Gera. Was erwartest du von dieser Partie?
Wir wollen gewinnen, ist doch logisch! Es wird aber kein Spaziergang, das muss allen klar sein, denn auch den Tabellenvorletzten darfst du nie unterschätzen, und was viele bestimmt nicht wissen, Gera hat auswärts genauso viele Punkte geholt wie wir. Sollten wir aber am Sonntag so spielstark auftreten, wie zuletzt gegen Jena, traue ich uns definitiv einen Sieg zu. Wir wollen uns ebenso unser Selbstvertrauen zurückholen und von unserem Publikum mit einem Erfolgserlebnis für dieses Jahr verabschieden. Natürlich hoffe ich dennoch, dass uns der eine oder andere Fan auch beim letzten Hinrundenspiel, am 5. Dezember in Zwickau, ebenso lautstark unterstützt. Aber diesen Sonntag wollen wir erstmal etwas gegen Gera bieten und den Heimsieg für uns verbuchen.
Trotz personeller Überzahl konnten wir am vergangenen Wochenende eine 2:1-Führung gegen die Drittliga-Reserve von Carl Zeiss Jena nicht über die Zeit retten. Woran lag es?
… statt das 2:1 mit „Haut und Haaren“ zu verteidigen, haben wir mehr Wert auf einen weiteren eigenen Treffer gelegt. Das war falsch. Wenn du nach 80 Minuten führst und gar in Überzahl agierst, musst du solch ein Spiel „nach Hause bringen“. Letztendlich haben wir uns selber bestraft, zumal wir auch bei den Gegentoren ziemlich „alt“ aussahen. Das war sehr ärgerlich, drei Punkte wären locker machbar gewesen. Jetzt schauen wir aber nach vorn und wollen es heute gegen Gera besser machen.
In den letzten drei Ligaspielen kassierten wir neun Gegentore. Was ist da los?
Eine gute Frage! Ich glaube, wir reden einfach zu wenig auf dem Platz. Das betrifft vor allem Abwehrchef Alex Kopp und mich. Hier merkt man eindeutig, wie sehr uns Philip Saalbach fehlt, der ansonsten die Kommandos im Defensivverhalten gibt. Ebenso bin ich der Meinung, dass wir allgemein schlecht „hinter dem Ball“ arbeiten, uns fehlt dann manchmal die notwendige Aggressivität, wir wollen vieles spielerisch lösen, statt den Ball einfach mal aus dem Stadion zu schießen. Dennoch arbeiten wir beim Training an diesen Problemen und versuchen alles, solche Fehler zukünftig zu minimieren.
Leeroy, in der letzten Saison konntest du den Durchbruch schaffen, als du für unsere Erste sieben Pflichtspiele bestreiten durftest. Ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen?
… irgendwie schon! Ich trainiere seit fast drei Jahren in unserer Oberliga-Mannschaft mit und habe im vergangenen Frühjahr endlich meine ersten Einsätze bekommen. Ich habe auch lange darauf hin gearbeitet. Darum ist es schon ein kleiner Erfolg in meinem bisherigen Leben. Wir haben zwar nicht mehr die großen Kulissen im heimischen Friedensstadion, aber es ist schon toll, als gebürtiger Halberstädter vor dem eigenen Publikum aufzulaufen. Ich bin sehr froh, dass mir Trainer Andreas Petersen die Chance gab, das zu zeigen, was ich wirklich kann.
Seit Beginn dieser Serie hast du dich zum Stammspieler entwickelt, die Hälfte deiner Pflichteinsätze ging sogar über die volle Distanz. Wie siehst du deine eigene Entwicklung?
Voran schicken möchte ich erstmal, dass es für mich eine riesengroße Umstellung war, von der A-Jugend-Verbandsliga bzw. der Männer-Landesliga auf die aktuelle Oberliga. Das war alles nicht immer einfach für mich, auch während der Zeit, als ich noch meinen Zivildienst ableisten musste, die tägliche Arbeit und das fast tägliche Training. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich daran zu gewöhnen. Als der Zivi dann Anfang 2009 beendet war, konnte ich wieder richtig „Gas“ geben. Was meine eigene fußballerische Entwicklung angeht, muss ich schon sagen, dass ich taktisch eine Menge dazu gelernt habe, vor allem von den älteren Mitspielern. Ich bin jedoch erst am Anfang meiner Karriere und werde mich hoffentlich noch bedeutend verbessern. Natürlich hilft das vom Trainer ausgesprochene Vertrauen dabei immens. Zurzeit bin ich mit meinen Leistungen, die natürlich hin und wieder schwanken, dennoch relativ zufrieden.
Bereits seit der Saison 2006/07 kommst du bei Germania im Männerbereich zu Einsatz. In der Zweiten konntest du bisher auch sechs Landesliga-Treffer erzielen. Wann triffst du das erste Mal für unsere Erste?
Ich hoffe am Sonntag gegen Gera! :-) Nein, ganz im Ernst. In der A-Jugend und auch in der Zweiten habe ich viel offensiver gespielt als jetzt. Als Defensivakteur musst du vorrangig Tore verhindern, das ist mein Job. Ich freue mich aber über jeden Treffer eines Mitspielers und mir ist es auch nicht so wichtig, wer vorne trifft, denn es führt immer eine Mannschaftsleistung zum entsprechenden Erfolg. Wenn wir Tore erzielen, jubele ich genauso, als hätte ich selbst getroffen.

Leeroy Götz (li.), stand im Mai 2009 gegen Lok Leipzig erstmals in der Startelf! Fotos: S. Grote
Du bist auf fast jeder Position einsetzbar. In der A-Jugend hast du sogar schon im Tor ausgeholfen und in der Zweiten auch als Stürmer agiert, aber wo spielst du am liebsten?
Auch wenn das viele Außenstehende nicht glauben werden, aber ich habe keine wirkliche Lieblingsposition. Wie gesagt, in der A-Jugend, aber auch in der Zweiten war ich oft als Stürmer aufgestellt, und nun agiere ich eben in der Abwehr. Hauptsache ich stehe unter den ersten Elf, ansonsten bin ich für alles offen. Dennoch braucht Basti Kischel keine Angst haben, ins Tor gehe ich nur noch im äußersten Notfall :-)
Bist du mit deinen bisherigen Saison-Leistungen zufrieden?
Ein ganz klares „Jein“! Ich hatte Höhen und Tiefen. Zu Saisonbeginn habe ich ganz gut gespielt, leider konnte ich das in den vergangenen Begegnungen nicht immer bestätigen. Gegen Jena zuletzt war das ok, ich bin wohl wieder auf dem „aufsteigenden Ast“. Bei mir sind die Leistungen aber auch vom regelmäßigen Training abhängig, das merke ich immer wieder. Ich hoffe, mein Trainer und auch die Mannschaft sind mit mir zufrieden.
Wo siehst du bei dir persönlich noch Steigerungsmöglichkeiten?
Da gibt es so einiges. Mein taktisches Defensivverhalten lässt sich auf jeden Fall noch verbessern. Ebenso fehlt mir manchmal die notwendige Aggressivität und wie gesagt, ich muss „lauter“ werden und selbstbewusster auftreten. Eigentlich bin ich in fast allen Bereich noch steigerungsfähig. Mit knapp 20 darf man das auch noch sein, finde ich. Dennoch orientiere ich mich an Mitspielern wie z. B. Sebastian Kischel, der mir immer wieder sachlich gute Hinweise gibt und mir oft hilft. Ich bin echt stolz, gemeinsam mit solchen Fußballern kicken zu können, zumal ich mich in unserer Mannschaft mittlerweile pudelwohl fühle.
Im Oktober warst du mit der Landesauswahl von Sachsen-Anhalt beim U21-Länderpokal des DFB in Duisburg unterwegs. Welche Eindrücke konntest du mitnehmen?
Für mich war der Länderpokal in Duisburg eine große Erfahrung, zumal dort deutlich wurde, wie groß die Unterschiede innerhalb einer Altersklasse sein können. Ich war froh, mal dabei zu sein, mich mit Gleichaltrigen messen zu können. Das hat schon Spaß gemacht. Jeder der diese Chance bekommt, dort mal hinzufahren, sollte es auch tun. Ich habe in Duisburg u. a. gelernt, mir höhere Ziele zu setzen, denn ich will sportlich noch sehr viel in meinem Leben erreichen.
Was hast du ansonsten noch für sportliche Ziele in deiner Karriere?
Für mich ist erstmal wichtig, die Saison mit Germania auf dem bestmöglichen Platz abzuschließen. Darüber hinaus möchte ich mich stets und ständig weiter entwickeln und mich für höhere Aufgaben anbieten, am liebsten natürlich mit unserem VfB. Dazu ist es ebenso extrem wichtig, stabile Leistungen abzurufen, das ist erstmal das für mich persönlich größte Ziel.
Du absolvierst zurzeit eine Ausbildung. Was lernst du genau und wie lässt sich das mit dem täglichen Training vereinbaren?
In bin beim Jeansdealer in der Halberstädter Rathauspassage angestellt und erlerne dort den Beruf des Einzelhandelskaufmann. Auch aufgrund der Ladenöffnungszeiten ist es nicht immer einfach, meine Arbeitszeiten auf das Training abzustimmen, aber beim Jeansdealer habe ich ein tolles Team um mich, das sehr viel Verständnis für „meinen Fußball“ mitbringt, sodass ich eigentlich regelmäßig trainieren kann. Ein großes Dankeschön dafür! Die Ausbildung macht mir großen Spaß, mein Sport aber ebenso!
Möchtest du noch etwas anderes loswerden?
Ich freue mich auf den Rest der Saison, wir möchten die Halbserie gut abschließen, am liebsten mit zwei Siegen. An dieser Stelle möchte ich außerdem ganz besonders meiner Mum danken, die immer für mich da ist und mich bei all meinen Vorhaben unterstützt. Ich lieb sie ganz doll!
Vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine weitere Laufbahn!











