„Bei Germania wird weiterhin guter Fußball geboten!“
Vor dem Spitzenspiel gegen die Drittliga-Reserve vom FC Carl Zeiss Jena im heimischen Friedensstadion und nach dem überraschenden Rücktritt vom Manager und Geschäftsführer der Halberstädter Fußball GmbH, Rüdiger Bartsch, stand Präsident Olaf Herbst (Foto) in einem längeren Interview Rede und Antwort.

Präsident Olaf Herbst (50)
Unsere Oberliga-Mannschaft stand in der laufenden Saison immer unter den besten fünf Teams, zierte an drei Spieltagen sogar die Tabellenspitze. Hätten sie ein derart erfolgreiches Abschneiden erwartet, auch angesichts einer sehr jungen Mannschaft?
Der bisherige Saisonverlauf, aber auch gerade der Start in die neue Serie hat mich schon ein bisschen stolz gemacht. Die Mannschaft ist auf einem sehr guten Weg und hat mehrfach bewiesen, dass sie mit der Oberligaspitze durchaus mithalten kann. Unser Team besitzt ein großes Potential, und ich gehe davon aus, dass wir das Ziel, einen Platz unter den ersten Fünf, am Ende der Saison erreichen werden, zumal ich auch vom Trainer erfahren habe, dass bis auf Robert Kalbus und Christopher Kessler (beide mit Kreuzbandrissen, die Redaktion) alle anderen zurzeit Verletzten bis zum ersten Rückrundenspiel vielleicht wieder zur Verfügung stehen.
Am Samstag steht das Top-Spiel gegen Jenas U23-Team an. Was erwarten sie vom Duell mit den Thüringern?
Ich freue mich auf ein tolles und interessantes Fußballspiel, schließlich empfangen wir den Tabellenzweiten im Friedensstadion. Unsere Mannschaft hat in dieser Saison bereits gute Auftritte vor heimischem Publikum geboten, und darum hoffe ich, dass wir daran anschließen können. Ich weiß aber auch, dass Jena seit Wochen gut drauf ist, und es für unsere Jungs nicht einfach wird. Dennoch drücke ich unserer Mannschaft alle Daumen und wünsche bestes Gelingen!
Die letzten beiden Heimspiele konnten die Jungs von Trainer Andreas Petersen leider nicht erfolgreich gestalten. Was meinen sie, gelingt uns heute ein Sieg gegen Jenas Drittliga-Reserve?
Wie gesagt, ich hoffe inständig, wir können diese Partie gewinnen, trotz der Personalprobleme, mit denen sich Trainer Andreas Petersen seit Wochen herum plagen muss. Außerdem weiß ich, dass wir viel besser Fußballspielen können, als zuletzt im Friedenstadion, und darum bin ich überzeugt, dass unsere Mannschaft gewillt ist, die drei Punkte zu holen.
Außerdem stehen wir Landespokal-Viertelfinale. Wie groß schätzen sie unsere Chancen ein, ins Endspiel einzuziehen oder gar den „Pott“ zu holen? Könnte solch ein vermeintlicher Pokalsieg, der ja auch mit erheblichen finanziellen Einnahmen einhergeht, das Startsignal zum Regionalliga-Aufstieg 2010/11 sein?
Der Einzug ins Endspiel hängt sicher auch ein bisschen vom Losglück ab, aber ich traue es unserer Oberliga-Mannschaft auf jeden Fall zu, ins Finale vorzudringen und dann auch den Landespokal 2010 zu holen. Solch ein Erfolg ist ansonsten immer ein tolles Startsignal für die neue Oberliga-Serie. Aber bereits zum heutigen Zeitpunkt über konkrete Regionalliga-Pläne zu sprechen, halte ich für verfrüht.
Herr Herbst, können Sie uns kurz die Umstände des Rücktritts von Geschäftsführer Bartsch erläutern?
Herr Bartsch hat uns vor mehreren Tagen von einem lukrativen Angebot, im höherklassigen Fußball tätig werden zu können, berichtet. Nach mehreren Gesprächen und langen Überlegungen hat er für sich entschieden, seine Arbeit in Halberstadt kurzfristig zu beenden, und diesem Wunsch haben sowohl die Gesellschafter der Fußball GmbH, als auch unser Verein entsprochen. Wir wünschen Herrn Bartsch alles Gute für seine berufliche Zukunft und viel Erfolg bei seinen Vorhaben.
In der Presse wurde bereits seit vielen Tagen über ein Engagement von Herrn Bartsch beim Viertligisten 1. FC Magdeburg spekuliert. Was meinen sie, gibt es einen diesbezüglichen Zusammenhang bzw. wird er dort Nachfolger vom ebenfalls zurück getretenen Manager Bernd Hofmann?
Wie sich Herr Bartsch zu seinen beruflichen Plänen entscheidet, wissen wir nicht. Ebenso haben wir keine Kenntnisse zu etwaigen Personalentwicklungen beim 1. FC Magdeburg. Dies ist auch für uns als Verein nicht maßgeblich.
Wie überraschend war der Rücktritt von Herrn Bartsch für sie wirklich bzw. sind sie in seine persönlichen Pläne eingeweiht?
… einerseits schon überraschend, andererseits jedoch auch absehbar. Natürlich war und bin ich nicht in die persönlichen Pläne unseres ehemaligen Geschäftsführers eingeweiht. Aber auch hierzu sehe ich keine Notwendigkeit.
Herr Bartsch war im Mai 2008 in Halberstadt angetreten, den VfB Germania mittelfristig in die Regionalliga zuhieven, vor allem jedoch den Fußball im neuen Harzkreis bedeutend weiter zu entwickeln und unseren Verein als Fußball-Identitätsträger des Harzes zu etablieren. Sind diese Pläne nun gefährdet?
Etwaige Pläne, den Fußball im gesamten Harzkreis bedeutend voran zu bringen, existieren bereits seit 2004. An diesen und weiteren Zielen wird nach wie vor hart gearbeitet. Wir haben beim VfB Germania Halberstadt schon guten Fußball gespielt, bevor Herr Bartsch hier war und werden dies auch tun, wenn Herr Bartsch nicht mehr für uns als Geschäftsführer tätig ist.

Rüdiger Bartsch (li.), Bodo Himpel (Halberstadtwerke) und Olaf Herbst (re.). Foto: S. Grote
Wie geht es bei der Halberstädter Fußball GmbH, die als wirtschaftlicher und juristischer Träger der Oberliga-Mannschaft fungiert, weiter bzw. gibt es schon einen neuen Geschäftsführer?
Interimsgeschäftsführer wird Hans-Joachim Purfürst. An dieser Stelle möchte ich Herrn Purfürst auch gleich danken, dass er sich kurzfristig für diese Funktion zur Verfügung stellt.
Unter Herrn Bartsch wurden die Rahmenbedingungen unserer Oberliga-Mannschaft einschneidend verändert. Wird dieser eingeschlagene Weg fortgeführt?
… hier muss ich widersprechen. Die veränderten Rahmenbedingungen hatten nichts mit der Verpflichtung von Herrn Bartsch zu tun. Dieser Prozess wurde bereits vor Beginn seiner Tätigkeit für den VfB Germania in Gang gesetzt. Wir haben uns für ein finanzierbares und ebenso leistungsorientiertes Trainings- und Wettkampfmodell entschieden, bei dem die Spieler einer Vollzeitbeschäftigung, einer Ausbildung, dem Zivildienst oder einem Studium nachgehen, und in ihrer eigentlichen „Freizeit“ Fußball spielen. Dies ist jedoch nur EIN Bestandteil der Strategie der Fußball-GmbH. Dennoch werden wir daran auch zukünftig festhalten.
Inwieweit nehmen sie überhaupt Einfluss auf das Geschehen innerhalb unserer Oberliga-Mannschaft?
Der Verein VfB Germania Halberstadt, deren Präsident ich bin, ist Hauptgesellschafter der Fußball GmbH. Außerdem existiert zwischen der Fußball GmbH und dem Verein ein Rahmenvertrag, der so ausgerichtet ist, dass der Verein alle maßgeblichen Rechte vertritt. Demzufolge nehme ich als Präsident, wie bei vielen anderen Vereinen auch, entsprechend Einfluss auf das Geschehen unserer ersten Männermannschaft, jedoch immer in Abstimmung mit den weiteren Gesellschaftern und allen anderen Entscheidungsträgern, wie z. B. der sportlichen Führung um Trainer Andreas Petersen.
Unser Stadion soll demnächst behindertentauglich ausgebaut werden, um auch die Bedingungen für die Zuschauer bedeutend zu verbessern bzw. den hohen Anforderungen des DFB gerecht zu werden. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Seit mehreren Jahren arbeitet der VfB Germania mit den zuständigen Gesellschaften der Stadt Halberstadt, der NOSA und der Betriebsgesellschaft Freizeit- und Sportzentrum, eng zusammen, um das Friedensstadion zu einer behindertengerechten Sportstätte auszubauen. Nachdem unsere Stadt dem FSZ die Betreiberrechte übertragen hat und zudem das Eigentümerrecht mittels eines Erbbaurechtsvertrages an die NOSA übergegangen ist, wurden auch erste Baumaßnahmen realisiert, wie z. B. die 80 zusätzlichen Parkplätze, die zweite Flutlichtanlage für den Trainingsbetrieb unserer mehr als 400 Fußballer im Verein oder gar die Modernisierung von Umkleidekabinen. Zurzeit laufen intensive Gespräche zur weiteren behindertengerechten Umgestaltung unseres Stadions. Wir gehen davon aus, dass im kommenden Jahr erste bauliche Veränderungen stattfinden werden.
Der neue Harzkreis ist der bevölkerungsreichste Landkreis in den ostdeutschen Bundesländern. Wie könnte eine Zusammenarbeit mit ehemaligen Landkreisen Wernigerode und Quedlinburg in Bezug auf höherklassigen Fußball im Harz aussehen? Gibt es dahingehend schon Ansätze eines gemeinsamen Vorgehens?
Bekannt ist ja eigentlich, dass ich persönlich bereits seit 2004, damals noch zusammen mit Frank Lieberam, an der Version „Gemeinsam im neuen Harzkreis Fußballspielen“ arbeite. Was jedoch über Jahrzehnte in den einzelnen Altkreisen Wernigerode, Quedlinburg und Halberstadt und in den dortigen Sportvereinen „gewachsen“ ist, lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Dieser Prozess des „Zusammenwachsens“ ist eine langwierige Entwicklung. Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass es ein sehr gutes Ziel ist, im Fußball-Herrenbereich die Kräfte zu bündeln und an einem Strang zu ziehen, wie es z. B: bereits einzelne Nachwuchs-Teams im Harz vormachen.
Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Die richtige Zeit, erste Bilanzen zu ziehen. Wie zufrieden sind sie mit der Entwicklung der Abteilung Fußball innerhalb des Gesamtvereins und auf welche Erfolge können sie als Präsident des VfB Germania schon zurück blicken?
Die gesamte Fußball-Abteilung hat sich im Jahr 2009 sehr gut entwickelt, ohne jetzt auf viele Einzelheiten eingehen zu wollen. Wenngleich die letzten Ergebnisse der Zweiten Mannschaft nicht frohlocken, habe ich trotzdem berechtigte Hoffnungen, dass Trainer Dirk Kanter mit seinem Team in die Erfolgsspur zurückfindet. Positiv hervorheben möchte ich aber auch die Arbeit von Nachwuchsleiter Frank Rathsack. Ebenso freue ich mich über das bisherige Abschneiden unserer C1-Jugend unter Trainer Thomas Waldow, die eine reelle Chance hat, in die Regionalliga aufzusteigen, nachdem bisher alle elf Verbandsligaspiele gewonnen worden. Nicht zu vergessen sind die vielen anderen Abteilungen - sie sind die stabilen Säulen unseres Vereins und in jeder Hinsicht, wie auch die Fußballer, ein Aushängeschild. Besonders stolz macht mich natürlich das Auftreten unserer Leichtathleten, die es erneut geschafft haben, bei der Mannschafts-Meisterschaft 2009 den Vizemeistertitel zu erringen.
Noch eine private Frage… Sie haben im vergangenen Sommer das 50. Lebensjahr vollendet. Worauf sind sie besonders stolz und was hätten sie gerne im Nachhinein anders gemacht?
Natürlich bin ich auf meinen beruflichen Werdegang der letzten 15 Jahre stolz. Ganz besonders freue ich mich aber, dass mein Sohn in der nächsten Zeit, gemeinsam mit seiner Frau, in meinem Unternehmen tätig wird. Im Nachhinein… Im Nachhinein ist man immer schlauer, weil sich viele Dinge dann besser beurteilen lassen. Entscheidungen zu treffen, sich festzulegen und auch später dazu zu stehen, dass ist das weitaus schwierige „Unterfangen“ im Leben!
Vielen Dank für das sehr interessante und ausführliche Gespräch!











